Newsletter-Beitrag

April 2020

Auf ein Wort...

Kerstin Andreae, Leiterin der AG 5 – Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Mobilität der Zukunft,

mit dem Ziel vor Augen, bis zum Jahr 2030 10,5 Millionen Elektrofahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bringen, wird auch eine ganz neue Infrastruktur zum Laden dieser Fahrzeuge erforderlich sein. Dabei ist klar, dass diese Infrastruktur nicht einfach 1:1 die bisherige Tankinfrastruktur ersetzen wird, da sich das Laden und das bisher bekannte Tanken in vielen Punkten wesentlich unterscheiden: angefangen mit der Tatsache, dass der mit Abstand größte Teil des Ladens zu Hause oder beim Arbeitgeber und nicht an öffentlichen Ladestationen stattfindet, über die deutlich längeren erforderlichen Standzeiten beim Laden bis hin zu dem Punkt, dass sich die mögliche Ladeleistung der Fahrzeuge beständig nach oben entwickelt. All dies führt zu deutlich stärker ausdifferenzierten „Use Cases“ beim Laden als beim Tanken. Hinzu kommt, dass Ladeinfrastruktur im Voraus – also zeitlich vor dem Markthochlauf der Fahrzeuge – aufgebaut wird, so dass zum einen die Ladeinfrastruktur heute i.d.R. nicht wirtschaftlich betrieben werden kann und zum anderen bzgl. des künftigen Ladebedarfs ein intensiver Blick „in die Glaskugel“ erforderlich ist.

Für eine erfolgreiche Verkehrswende ist es also mit Blick auf die Ladeinfrastruktur zwingend erforderlich, die Dynamik in der Entwicklung des Ladeinfrastrukturbedarfs zu berücksichtigen und die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Betriebs im Blick zu behalten. Ein starres Verhältnis zwischen Fahrzeug und privaten und öffentlichen Ladepunkten wie in der Vergangenheit wäre dabei nicht zielführend, zumal mögliche signifikante Fehlinvestitionen weder öffentlich noch privat tragbar wären. Vielmehr ist ein flexibleres, die Entwicklung besser prognostizierendes Vorgehen erforderlich, wie es im „Masterplan Ladeinfrastruktur“ der Bundesregierung festgehalten wurde.

Zur Unterstützung dieses Vorgehens hat die AG 5 der NPM als beratendes Expertengremium ein Modell entwickelt, das genau diesen dynamischen Ausbau der Ladeinfrastruktur darstellt und die wesentlichen Einflussfaktoren des öffentlichen Ladeinfrastrukturbedarfs herausarbeitet: Dies sind neben der Entwicklung der Anzahl der Elektrofahrzeuge und ihres Energiebedarfs der Anteil des öffentlichen bzw. privaten Ladens, die verwendete Ladeleistung sowie die Auslastung bzw. Betriebsstunden der Ladeinfrastruktur.

Für den heutigen Status quo zeigt sich dabei ein geringer Anteil öffentlichen Ladens in Kombination mit einem starken Anteil an Normalladeinfrastruktur und einer geringen, i.d.R. unwirtschaftlichen Auslastung. Zentrale Punkte für die Entwicklung des Ladeinfrastrukturbedarfs in den nächsten Jahren sind damit insbesondere die Fragen, wie erfolgreich die geplanten Maßnahmen zur Erleichterung der Installation privater Ladeinfrastruktur sein werden und wie sich die Ladeleistungen auf der Fahrzeugseite entwickeln.

Die Entwicklung dieser zentralen Einflussfaktoren gilt es künftig regelmäßig zu monitoren und Zielsetzungen entsprechend zu adaptieren, um den Aufbau einer sowohl bedarfsgerechten als auch wirtschaftlich betreibbaren Ladeinfrastruktur zu unterstützen.

Portrait von Kerstin Andreae

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