Pressemitteilung
AG 3AG 6

Intermodale Mobilität durch Normen und Standards voranbringen

Arbeitsgruppe 3 & 6

Intermodales Reisen, also die Buchung, Nutzung und Abrechnung verschiedener Verkehrsmittel für eine Strecke, wird heute bereits vielfältig praktiziert. In diesem Konzept liegt großes Potenzial, um Mobilitätsdienstleistungen für die Kundinnen und Kunden zukünftig bedarfsgerechter, kostengünstiger und vor allem nachhaltiger zu gestalten. Eine breite Mobilitätsanbieter-übergreifende Anwendung sowie eine komfortable und sichere Nutzung ist aber aktuell nicht ausreichend gegeben. Es fehlen Schnittstellen und Standards, um auf einfache Art und Weise Mobilitätsdaten austauschen und Verträge zwischen den Beteiligten schließen zu können oder auch um Mobilitätsangebote in intermodele Plattformen zu integrieren. Welche Standards und Normen sind also notwendig und welche Bedingungen sind zu erfüllen, um einen nahtlosen, bezahlbaren, möglichst emissionsarmen intermodalen Personen- und Güterverkehr in Deutschland sowie in Europa zu ermöglichen? Zu dieser Fragestellung haben die beiden Arbeitsgruppen (AG) 3 Digitalisierung für den Mobilitätssektor und 6 Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Typgenehmigung in einem gemeinsamen Bericht Stellung bezogen.

Der heute veröffentlichte Bericht geht der Frage nach, warum es bisher nicht gelungen ist, übergreifende und breit angewendete Standards und Normen für die Integration der verschiedenen Mobilitätsleistungen zu entwickeln, um dadurch eine breite, flächendeckende Anwendung zu erreichen. Er liefert gleichzeitig einen Vorschlag für einen Handlungsrahmen, der die Entwicklung und Implementierung der noch fehlenden Normen und Standards zügig anstoßen soll. Digitale Dienste und Anwendungen bieten die Möglichkeit, den Nutzerinnen und Nutzern ein integriertes Mobilitätsangebot zu machen, das ein durchgängiges Dienstangebot von der Information und Buchung, bis zur Bezahlung und Abrechnung über die gesamte Mobilitätskette beinhaltet. Den Schlüssel dazu stellen intermodale Mobilitätsplattformen dar, um die genannten Services nahtlos aus einer Hand bieten zu können. In der Realität zeigen sich bei der Datennutzung entlang der Mobilitätskette aber vielfältige Barrieren durch fehlende oder nicht-vernetzte Dienste.

Allianz der Treiber – gemeinsames Interesse schaffen

Die Entwicklung von Mobilitätsdiensten und -produkten wird von einer großen Zahl von Stakeholdern vorangetrieben, die jeweils unterschiedliche Prioritäten verfolgen. Es gibt deshalb bislang keinen gemeinsamen Ansatz, intermodale Mobilität in Form eines integrierten Angebots in einer Anwendung zu schaffen. Es wird daher empfohlen, einen moderierten Prozess mit Vertretern aller relevanten Stakeholder aufzusetzen, um ein gemeinsames Interesse für eine funktionierende intermodale Mobilität zu organisieren und auf dieser Basis dann gemeinsam akzeptierte Standards und Normen zum Informieren, Buchen und Abrechnen von Mobilitätsdienstleistungen zu entwickeln. Erst nach Schaffung dieses gemeinsamen Interesses kann die Ausgestaltung und Anwendung von Standards und Normen in einem Interessensgruppen-übergreifenden Rahmen erfolgen.

Basis für intermodale Mobilität – Vertrauen durch solide Verträge

Standardisierten Vertragsformen kommt für die Einbindung von Partnern in intermodalen Verkehrskonzepten eine zentrale Rolle zu. Sie gewährleisten die Vertragssicherheit zwischen den Vertragspartnern, legen die Basis für die Umsetzung sowie die Etablierung plattformbasierter intermodaler Mobilität und erzeugen das notwendige Vertrauen in der Geschäftsabwicklung. Technische Standards und Schnittstellen für alle Stakeholder bilden den Rahmen für solche Verträge und sollten zudem dafür sorgen, dass sie automatisiert ausgehandelt werden können. Auf diese Weise können neue Mobilitätsanbieter zügig und mit wenig Aufwand in ein plattformbasiertes intermodales Mobilitätsangebot eingebunden werden. Intermodale Serviceangebote benötigen darüber hinaus eine Standardisierung und Digitalisierung organisatorischer Parameter (z. B. Fahrten- und Strecken-ID, tarifliche Bestimmungen). Darüber hinaus muss die Kommunikation zwischen den beteiligten Systemen, also zwischen verschiedenen Mobilitätsplattformen und den IT-Systemen einzelner Mobilitätsanbieter, gewährleistet werden. Und soweit dies nicht schon durch bestehende Standards und Normen abgedeckt werden kann, ist die Normung und Standardisierung von Daten(austausch)- und Kommunikationsprotokollen, Datenformaten, Reports und Auswertungen von Nutzerverhalten und -präferenzen erforderlich.

Intermodaler Mobilität umsetzen – vereinbarte Standards und Normen anwenden
Bei der Integration von Mobilitätsdienstleistungen für eine intermodale Mobilität gibt es viele Hemmnissen im Hinblick auf die Bereitstellung von Ressourcen und Know-how sowie bei der Bewältigung von Komplexität. In Deutschland existieren aktuell rund 800 Unternehmen des öffentlichen Personenverkehrs sowie rund 1.000 weitere Mobilitätsanbieter (z.B. Sharing-Anbieter), die oftmals noch auf regionale Lösungen zur Intermodalität setzen.

In der Umsetzung intermodaler Mobilität zeigt sich, dass viele der beteiligten Akteure – wie zum Beispiel kleinere Städte und regionale Verkehrsbetriebe – nicht über die erforderlichen Kapazitäten oder Methoden verfügen und häufig auf individuell gestaltete, lokale Umsetzungskonzepte setzen. Die Nutzung von flächendeckend einsetzbaren Standards und Normen wird dadurch erheblich erschwert oder sogar unmöglich. Hinzu kommt die Aufteilung von Verantwortlichkeiten, Wissen und Kompetenzen, z. B. zwischen Bund, Ländern und Kommunen, was eine umfassende Umsetzung bremst. Die Implementierung von Standards und Normen sowie damit zusammenhängende übergreifende und abgestimmte Konzepte brauchen deshalb eine zentrale Koordination, um der Entstehung von regionalen Einzellösungen entgegenzuwirken. Die Einrichtung miteinander verknüpfter Fachzentren auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene ist aus Sicht der Expertinnen und Experten ein geeignetes Mittel, um Mobilitätsanbieter bei der Umsetzung von nationalen oder europäischen Standards und Normen und damit zusammenhängender Konzepte zu unterstützen. Den Fachzentren sollte eine koordinierende Rolle zukommen, um eine stringente und flächendeckende Umsetzung der intermodalen Mobilität in Deutschland zu ermöglichen.

Der Bericht steht ab sofort auf der NPM-Website www.plattform-zukunft-mobilitaet.de zum Download zur Verfügung.

Über die NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klima-gerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträger-übergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kontakt:
Alexandra Huß
Referentin Kommunikation
Büro des Vorsitzenden der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität
huss@acatech.de
+49 (0)30 / 206 30 96 86
+49 (0)160 / 714 93 25

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