Pressemitteilung
AG 5

Energie- und Verkehrssektor: Partnerschaft für die Zukunft der Mobilität

Arbeitsgruppe 5

Der Energie- und Verkehrssektor wachsen mit dem Umstieg auf alternative Antriebe und Kraftstoffe weiter zusammen. Für eine erfolgreiche Sektorkopplung sind dabei der Ladeinfrastruktur- und Netzausbau, die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte sowie der steigende Bedarf an erneuerbarem Strom im Verkehrssektor zur Erreichung der Klimaschutzziele zentral.  Zwei neue Berichte der AG (Arbeitsgruppe) 5 Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung betrachten dabei die Fragen, wie hoch der Strombedarf im Verkehrssektor tatsächlich bis 2030 sein könnte sowie was es für den Aufbau einer Tankinfrastruktur für Wasserstoff bedarf. Darüber hinaus präsentiert die AG einen Abschlussbericht mit den zentralen Ergebnissen der AG aus drei Jahren NPM-Arbeit.

Abschlussbericht der AG 5:

Zentrale Ergebnisse und Empfehlungen – Erreichtes und Offenes

Die Sektorkopplung ist eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Verkehrswende und die Kilowattstunde (kWh) die neue Einheit des Verkehrssektors. Die AG 5 hat in den letzten drei Jahren zentrale Fragen der Lade-, Tank-, Netz- und Erzeugungsinfrastrukturen für alternative Antriebsformen und Energieträger untersucht und Handlungsbedarfe und -empfehlungen insbesondere mit Blick auf die Politik erarbeitet. Die Arbeit zielte vor allem auf einen bedarfsgerechten, wirtschaftlichen und nutzerorientierten Aufbau der Infrastruktur ab. Viele der erarbeiteten Maßnahmen wurden bereits von den entsprechenden Akteur:innen in der laufenden Legislaturperiode umgesetzt.

Neben dem Erreichten sind allerdings noch einige Punkte offen, die aus Sicht der AG 5 elementar für eine erfolgreiche Verkehrswende sind:

  • Die Vermeidung eines Dauersubventionssystems für öffentliche Ladeinfrastruktur durch die Unterscheidung einer initialen Flächendeckungs- sowie anschließend marktgetriebenen Skalierungsphase.
  • Die Erarbeitung von Lösungsansätzen für die intelligente Einbindung von E-Fahrzeugen in das Stromnetz.
  • Die Unterstützung der Digitalisierung der Elektromobilität und die zukünftige Fokussierung auf webbasierte Zahlungssysteme, um innovative Zahlungsdienstleister nicht mehr vom Markt auszugrenzen.
  • Über das Schnellladegesetz hinaus: Die Schaffung von zusätzlichem Flächenpotenzial, insbesondere für elektrische Lkw, durch das Öffnen der nicht bewirtschafteten Rastflächen entlang der deutschen Autobahnen.
  • Die Vereinheitlichung des Letztverbraucherbegriffs aus EnWG und EEG.
  • Die Steigerung des elektrischen Nutzungsgrades von Plug-in Hybriden durch die Verbesserung der elektrischen Reichweite und Ladeleistung (11 kW, 3-phasig).

Bericht Energiewirtschaftliche Auswirkungen der Sektorkopplung – Energiebedarfe

Der Umstieg auf strombasierte Antriebe und Kraftstoffe geht mit einer systemischen Verknüpfung des Verkehrs- und Energiesektors (Sektorkopplung) einher. Auf Basis der Prognosen der AG 1 Klimaschutz im Verkehr und AG 2 Alternative Antriebe und Kraftstoffe der NPM wurde in der AG 5 der daraus resultierende Strombedarf für den Verkehrssektor im Jahr 2030 ermittelt.

Über alle drei untersuchten Bereiche – Fahrstrom für batterieelektrische Fahrzeuge inkl. Oberleitungs-Hybrid-Lkw, Wasserstoff sowie strombasierte Kraftstoffe (Power to Liquid, PtL) – ergibt sich ein jährlicher Strombedarf im Verkehrssektor von 105,5 TWh. Dies entspricht circa 20 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs in Deutschland beziehungsweise über 40 Prozent der heutigen Stromerzeugung durch erneuerbare Energien in Deutschland (BDEW 2021). Demgegenüber steht für Deutschland im Jahr 2020 ein Stromexport (netto) von rund 20 TWh. Der größte Strombedarf ergibt sich aufgrund der sehr hohen anzunehmenden Fahrzeuganzahl im Fahrstrombereich (69,4 TWh). Der Bedarf für den Wasserstoffbereich und PtL liegt mit 17,5 TWh bzw. 18,5 TWh etwa gleich auf.

Um die Klimaziele 2030 und darüber hinaus zu erreichen, werden alle drei diskutierten Technologien beziehungsweise Kraftstoffe, also batterieelektrische Antriebe, Brennstoffzellenantriebe und PtL, notwendig sein. Gleichzeitig ist wichtig, dass der erneuerbare Strom möglichst effizient eingesetzt wird und die unterschiedlichen Anforderungen im Verkehrssektor (z.B. Straßenverkehr vs. Luftfahrt) hierbei berücksichtigt werden. Um den Umstieg auf alternative Antriebe und Kraftstoffe erfolgreich zu gestalten, hat die AG 5 zentrale Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dies sind insbesondere der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien, um den Grünstromanteil im Strommix zu erhöhen, belastbare zeitnahe Pfadentscheidungen besonders im Schwerlastverkehr auf Basis von Clean-Room-Gesprächen sowie die Sicherstellung leistungsfähiger Stromnetze.   

Bericht Infrastruktur für Wasserstoffmobilität (im Straßenverkehr)

Wasserstoff gilt auch im Verkehrssektor als einer der Schlüssel zur Erreichung der Klimaschutzziele und kann andere alternative Antriebsformen ergänzen. Brennstoffzellenfahrzeuge sind insbesondere dort sinnvoll, wo große Reichweiten oder schwere Lasten gefragt sind. Potenzielle Märkte sind daher vor allem der Langstreckenverkehr auf Straße und Schiene, aber auch Schiffs- und Flugverkehr. Wasserstoff im Straßenverkehr einzusetzen, erfordert eine bedarfsgerechte Kraftstoffversorgungs- und Tankinfrastruktur. Aktuell gibt es in Deutschland mehr als 90 Wasserstofftankstellen, die bisher hauptsächlich für die Pkw-Betankung ausgelegt sind. Für die Nutzung von Wasserstoff in schweren Nutzfahrzeugen muss der Infrastrukturaufbau angepasst werden. Allerdings hat sich dafür – anders als im Pkw-Bereich mit 700 bar gasförmig – noch kein Betankungsstandard für den Kraftstoff herausgebildet. Für die Lkw-Betankung kommen 350 bar oder flüssiger Wasserstoff in Frage. Aus Infrastruktursicht ist hier eine zeitnahe Harmonisierung wünschenswert, um Nachrüstungen und „stranded investments“ zu vermeiden.

Der Bericht fokussiert bei der Versorgung auf die Varianten Belieferung über Trailer bzw. Pipelines. Insbesondere für die zweite Option können sich Synergien ergeben mit dem geplanten Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur für die Industrie und der Umwidmung von Erdgasleitungen zu Wasserstoff. Es wird empfohlen, den Brennstoffzellen-Fahrzeughochlauf voranzubringen. Nur so ist langfristig ein tragfähiger, sprich wirtschaftlicher Betrieb der Infrastruktur möglich. Für den bedarfsgerechten Aufbau von Tankstelleninfrastruktur ist zudem mehr Wissen über Fahrzeug-planungen und Standards notwendig. Ein Clean-Room-Prozess mit den Fahrzeugherstellern oder auch Interessenbekundungsverfahren auf der Nachfrageseite wären auch hier empfehlenswert.

Alle drei Bericht stehen ab sofort unter www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/berichte/ zum Download bereit.

Über NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klima-gerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeits-gruppen technologieneutral verkehrsträger-übergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kontakt:
Alexandra Huß
Referentin Kommunikation
Büro des Vorsitzenden der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität
huss@acatech.de
+49 (0)30 / 206 30 96 86
+49 (0)160 / 714 93 25

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