Pressemitteilung
AG 4

Wo stehen Deutschland und Europa bei Brennstoffzellentechnologien für mobile Anwendungen?

Arbeitsgruppe 4

Die Chancen, dass die Brennstoffzellentechnologie im Bereich der mobilen Anwendungen einen Durchbruch erzieltstehen gut. Die technologische Reife in der Automobilindustrie, Synergiepotenziale mit anderen Wasserstoffanwendungen und Industrien, erheblich geänderte regulatorische Rahmenbedingungen und neue politische Zielsetzungen, wie sie in der Nationalen Wasserstoffstrategie formuliert sind, unterstützen den Auf- und Ausbau und die Nutzung von Brennstoffzellentechnologien in verschiedenen Anwendungen.  

Damit Deutschland und Europa zukünftig eine führende Position im Bereich Brennstoffzellentechnologien aufbauen können, muss allerdings die globale Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeugindustrie, der deutschen und europäischen Industrie insgesamt, ausgebaut und nachhaltig gestärkt werden. Mit ihrem heute veröffentlichten Positionspapier Brennstoffzelle legen die Expertinnen und Experten der Arbeitsgruppe 4 Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung der NPM eine qualitative Analyse des Wertschöpfungsnetzwerks Brennstoffzelle für Deutschland und Europa vor. 

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, bedarf es neuer Schlüsseltechnologien mit einem großen Potenzial zur Emissionsreduzierung. Neben den batterieelektrischen Antrieben ist insbesondere der Elektroantrieb auf Basis von Wasserstoff- und Brennstoffzelle eine passende Option, wenn es um Anwendungen mit hohen Leistungs- und Energieanforderungen sowie großen Reichweiten geht. Hierzu zählen neben Langstrecken- und Schwerlastanwendungen auf der Straße auch der Einsatz in der Schiff- und Luftfahrt sowie auf der Schiene. 

Das Positionspapier analysiert qualitativ den Status quo des Wertschöpfungsnetzwerks für die Produktion der Brennstoffzelle und ihrer Komponenten mit Fokus auf die automobile Nutzung. Die Analyse erfolgt entlang der zentralen Wertschöpfungsstufen Rohstoffe, Membrane Electrode Assembly (MEA), Fertigung der Bipolarplatte (BPP), Stack- und Systemmontage bis hin zum Recycling. Für diese Schritte der Wertschöpfungskette sowie die zentralen Bauteile des Brennstoffzellensystems werden Aspekte wie die wissenschaftliche Basis, das Entwicklungs- und Produktions-Know-how, die Personalakquise/-entwicklung, die Investitionsbasis/-bereitschaft, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit bis hin zu energetischen Aspekten betrachtet und bewertet.  

Die Analyse ergibt, dass sowohl in Deutschland als auch in Europa an bestimmten Stellen der Wertschöpfungskette im internationalen Vergleich Nachholbedarf besteht. Dieser betrifft insbesondere die Bereiche Effizienz der Rohstoffnutzung und die Schließung der Rohstoffkreisläufe, Entwicklung und Produktion im Bereich der Membrane Electrode Assembly (MEA), Grundlagenforschung zur Bipolarplatte und zur Stackmontage sowie Forschung und Entwicklung (F&E), Kostensenkungen und den Ausbau der Lieferantenlandschaft für Bauteile wie Wasserstoff-Rezirkulationsgebläse, DC/DC, Befeuchter, Tankbehälter und elektronische Luftkompressoren. Bei der Systemmontage sowie bei den Komponenten Power Distribution Unit, Hochvolt-Leitungssatz, Tankventile und Druckregler hingegen sind die europäischen Akteure insgesamt mindestens gleichauf mit den wichtigsten globalen Playern. Eine bedarfssichernde Brennstoffzellenentwicklung und -produktion ist für den Erhalt einer führenden Stellung der europäischen Automobilindustrie entscheidend. Das setzt intensive F&E-Aktivitäten sowie einen hohen Fertigungsanteil aller Wertschöpfungsschritte in Deutschland und Europa voraus. 

Den Auswirkungen des Antriebswandels auf die Beschäftigung in der Automobilindustrie muss durch Neuqualifizierungs- und Anpassungsprogramme begegnet werden. Um den Aufbau einer zukünftigen Führungsposition Deutschlands und Europas auf dem Gebiet der Brennstoffzellentechnologie nicht zu gefährden und um das damit verbundene Innovationspotenzial ausschöpfen zu können, kommt der Ausbildung entsprechender Fachkräfte und der Gewinnung von Expertinnen und Experten an Universitäten, aber ebenso in den Betrieben, eine wichtige Rolle zu.  

Nicht zuletzt muss der Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge entwickelt und für Nutzerinnen und Nutzer attraktiv ausgestaltet werden. Dazu gehört unter anderem der Ausbau der Tankstelleninfrastruktur für Wasserstoff. Neben Kostensenkungen der Technologie durch eine Ausweitung der Stückzahlen und strategische Partnerschaften, gilt es, auf internationaler Ebene eine Harmonisierung der Standards und Normen anzustreben. 

Das Positionspapier Brennstoffzelle steh unter www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/berichte/  zum Download zur Verfügung.  

Über die NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität  

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klima-gerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträger-übergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 

Kontakt: 
Alexandra Huß 
Referentin Kommunikation  
Büro des Vorsitzenden der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität 
huss@acatech.de 
+49 (0)30 / 206 30 96 86 
+49 (0)160 / 714 93 25 

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