Pressemitteilung
29.10.2020

Standards und Normen begünstigen die Erreichung der Klimaziele im Verkehr

Standards und Normen tragen dazu bei, dass für das Mobilitätssystem der Zukunft innovative Lösungen entwickelt werden, die ökonomisch, ökologisch und sozial tragfähig sind. Standards und Normen schaffen die Voraussetzungen, dass der Ressourcenverbrauch reduziert, die Umwelt- und Klimabelastungen vermindert und der natürliche Lebensraum geschont werden. Darüber hinaus dienen sie dem Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten sowie der Einhaltung von ethischen Standards und sozialer Verantwortung, etwa beim Abbau von Rohstoffen.

Der neue Bericht der Arbeitsgruppe 6 Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Typgenehmigung der NPM zeigt in Form einer Roadmap auf, welchen Beitrag Standards und Normen für eine nachhaltige Gestaltung der Mobilität leisten können. Wichtige Voraussetzung sind die Transparenz von Lieferketten, eine effektive Stoffkreislaufwirtschaft (Sichtwort: Circular Economy) und die digitale Dokumentation. Durch entsprechende Standards und Normen werden Nachhaltigkeitsmaßnahmen bewertbar, vergleichbar und nachvollziehbar. Gleichzeitig werden anhand von fünf Schwerpunkten – Bilanzierung, Wiederverwendung und Verwertung, Batterien, Energieträger und Kommunikation – konkrete Handlungsbedarfe bis 2030 beschrieben.

Bilanzierung / Bilanzrahmen

International harmonisierte Standards und Normen ermöglichen eine Bilanzierung nach weltweit einheitlichen Kriterien. Dies ist besonders für global verteilte Wertschöpfungsketten von großer Bedeutung, wie sie beispielsweise im Fahrzeugbau zur Anwendung kommen. Ziel einer Bilanzierung ist es, ein einheitliches System zu erarbeiten, in dem die Verkehrsträger in Abhängigkeit ihrer Nutzung sowie unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen (z.B. Fern- und Nahverkehr) und der damit verbundenen Emissionen verglichen werden können. Um dies für das Gesamtsystem Mobilität zu verwirklichen, sind Standardisierungsaktivitäten zur Festlegung eines Bilanzrahmens sowie zur Konzeptionierung einer standardisierten Informations- und Kommunikations-Architektur und -Organisation notwendig. Eine wichtige Voraussetzung für die Bilanzierung ist eine möglichst vollständige Transparenz der Lieferketten.

Wiederverwendung und Verwertung

Für eine nachhaltige Ökobilanz eines Fahrzeugs müssen die eingesetzten Wertstoffe unbedingt wiederverwendet (Re-Use) oder verwertet werden können. Aufgrund der Komplexität eines Fahrzeugs, in dem sehr unterschiedliche Materialien und Substanzen verbaut sind, ist ein integriertes Lebenszyklusmanagement notwendig. Bereits im Produktdesign muss auf nachhaltig gewinnbare Materialien, deren lange Lebensdauer und spätere Wiederverwendung oder Verwertung geachtet werden.
Eine besondere Bedeutung in der Circular Economy kommt der Gestaltung von Fahrzeuge zu, so dass für diese eine einfache Wiederverwertung bzw. eine Zerlegung möglich wird. Grundlage für eine solche Nachverfolgbarkeit sind Transparenz, Modularität und ein Design for Recycling/ for Disassembly.

Batterie – Nachhaltige Batteriewertschöpfungskette

Die Schaffung einer nachhaltigen Batterie-Wertschöpfungskette inklusive eines Kreislaufsystems ist ein weiteres wichtiges Handlungsfeld. Hierzu müssen jedoch noch viele Fragen geklärt werden. Dazu zählen unter anderem die Entwicklung von Standards für den Second Life von Batterien, ein standardisierter Recyclingprozess zur Erhöhung der Recyclingeffizienz oder eine standardisierte Ermittlung des CO2-Fußabdrucks von Batterien.

Energieträger – Strom, Wasserstoff, flüssige und gasförmige Kraftstoffe

Im Bereich der Energieträger werden normative Herausforderungen zu flüssigen und gasförmigen Kraftstoffen, aber auch normative Herausforderungen zur elektrischen Energie betrachtet. Bei den Kraftstoffen für Verbrennungsmotoren zeigt sich, dass es notwendig ist, für bereits absehbare Kraftstoffqualitäten die Normung voranzubringen, um diese am Markt etablieren zu können. Zudem besteht sowohl Handlungsbedarf bei der Anpassung bestehender Kraftstoffnormen als auch bei der Erarbeitung neuer Standards und Normen, um neuartige Kraftstoffe im Markt anbieten zu können. Sollen die Klimaziele bis 2030/2050 erreicht werden, ist es zukünftig erforderlich über die heute mögliche Beimischung erneuerbarer Kraftstoffe im Rahmen vorhandener Kraftstoffnormen hinauszugehen (insbesondere bei Ottokraftstoffen) oder auch ganz neue Kraftstoffqualitäten anzubieten.

Kommunikation

Das Kapitel Kommunikation ist mit der Kommunikation an Fachakteure, Kommunikation an Verbraucherinnen und Verbraucher und der technischen Kommunikation dreigeteilt. Im Hinblick auf die Fachakteure – insbesondere Städte, Kommunen, Verkehrsbetriebe – stehen Verständlichkeit und Transparenz bei den gesetzlichen und normativen Vorgaben im Vordergrund. In der Kommunikation an Verbraucherinnen und Verbraucher wird ein verständliches und standardisiertes Bewertungssystem (zum Beispiel als Ampelsystem) für die Beurteilung der Nachhaltigkeit benötigt. Im Bereich der technischen Kommunikation gibt es Normungsbedarf für die Festlegung von verbindlichen, standardisierte Verbrauchs- und Effizienzdaten für Elektrofahrzeuge. Ebenso ist ein Standard notwendig, der einen Dokumentationsnachweis der Nachhaltigkeit ermöglicht. Zur verbesserten Abrechnung der Einzelladevorgänge von Elektrofahrzeugen sollte ein europäischer Standard etabliert werden, der ein sicheres, standardisiertes und maschinenlesbares Datenformat zum Austausch der Ladedaten zwischen verschiedenen Roaming-Plattformen, den Ladestationsbetreibern und den Elektromobilitätsdienstleistern ermöglicht.

Die Schwerpunkt-Roadmap steht unter https://www.plattform-zukunft-mobilitaet.de/berichte/ ab sofort zum Download zur Verfügung.

Über NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klima-gerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeits-gruppen technologieneutral verkehrsträger-übergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kontakt:
Alexandra Huß
Referentin Kommunikation
Büro des Vorsitzenden der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität
huss@acatech.de
+49 (0)30 / 206 30 96 86
+49 (0)160 / 714 93 25

AG 1
Klimaschutz im Verkehr

AG 2
Alternative Antriebe und Kraftstoffe für nachhaltige Mobilität

AG 3
Digitalisierung für den Mobilitätssektor

AG 4
Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung

AG 5
Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung

AG 6
Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Typgenehmigung