Pressemitteilung
29.03.2019

3. Sitzung des Lenkungskreises: NPM präsentiert erste Empfehlungen für eine nachhaltige Mobilität in der Zukunft

Wie können wir die Mobilität in Zukunft klimafreundlich gestalten und gleichzeitig die Erschwinglichkeit der Mobilität sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Arbeitsplätzen in Deutschland erhalten? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit wir mehr Elektrofahrzeuge in unser Transport- und Energiesystem integrieren können? In seiner dritten Sitzung verabschiedete der Lenkungsausschuss der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität heute die ersten Empfehlungen für eine nachhaltige Mobilität in der Zukunft.

Der Klimaschutz ist eine der entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit: Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sollen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber dem Niveau von 1990 reduziert werden. Für den Verkehrssektor bedeutet dies eine Reduzierung um 40-42% bis 2030. Angesichts der Tatsache, dass die CO2-Emissionen in den letzten Jahren sogar gestiegen sind, ist nun eine Trendwende erforderlich. Klimafreundliche Mobilität ist eine Chance für nachhaltigen Wohlstand, denn Investitionen in den Klimaschutz sind Investitionen in Wachstum, Beschäftigung und Zukunftsmärkte.

Seit der Gründung der Nationalen Plattform zur Zukunft der Mobilität im September 2018 haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe 1 „Kilmaschutz im Verkehr“ intensiv und umfassend diskutiert, wie Klimaschutzziele im Verkehrssektor erreicht werden können. In der heutigen Sitzung legte die Arbeitsgruppe ihren Zwischenbericht dem Lenkungsausschuss der Plattform vor. Sie identifizierte sechs Schlüsselbereiche für die Verringerung der Treibhausgase und zeigte durch die systematische Abschätzung des Potenzials zur Verringerung der CO2-Emissionen und die Berechnung von Zielszenarien, dass das Sektorziel von 95 bis 98 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 grundsätzlich erreicht werden kann. Dazu müssen Maßnahmen aus allen Handlungsfeldern kombiniert und koordiniert werden – alle Technologien und Verkehrsträger und entsprechende Investitionen, z.B. in Produktionskapazitäten und Infrastrukturen, sind notwendig.

Es ist daher wichtig, diese Investitionen zu fördern, damit der Klimaschutz in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Arbeitsgruppe hat gemeinsam ein Bündel konkreter Instrumente mit dem Schwerpunkt „Innovationen, Infrastruktur und Digitalisierung“ entwickelt. Dieses Bündel von Instrumenten, das vor allem auf die Verbesserung der Infrastruktur, die direkte Förderung und den Ausbau der Dienstleistungen ausgerichtet ist, kann zusammen mit den bereits verabschiedeten EU-Normen ein erhebliches CO2-Reduktionspotenzial von 29 bis 39 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten eröffnen.

Ein ausgewogenes Gesamtkonzept, das auch entsprechende Wechselwirkungen berücksichtigt, kann weitere Instrumente beinhalten, die die notwendigen Einsparungen zur Erreichung des Klimaziels ermöglichen. „Die AG 1 hat mit ihrem Zwischenbericht gezeigt, dass die Klimaschutzziele erreicht werden können und wichtige erste Schritte empfohlen, die bereits zum Ziel beitragen können. Wir müssen diese Schritte nun zügig umsetzen und im Anschluss daran gemeinsam weitere Optionen finden, um das Branchenziel zu erreichen“, betonte Henning Kagermann, Vorsitzender des NPM Lenkungskreises. „Wir tragen eine große Verantwortung, denn die Transformation des Mobilitätssektors ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine wirtschaftliche und soziale Frage. Das verursacht Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft“, so Kagermann weiter. „Nicht alle Auswirkungen und Entwicklungen können heute vollständig und transparent bewertet werden. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir die nachhaltige Gestaltung der Mobilität mit einem iterativen Ansatz über einen langen Zeitraum gemeinsam vorantreiben, die Umsetzung empfohlener Maßnahmen begleiten und gegebenenfalls anpassen können“.

Schließlich empfiehlt die Bundesregierung, dass die NPM auch den Ansatz einer sozialverträglichen CO2-Preisgestaltung in allen Sektoren, die nicht dem europäischen Emissionshandelssystem unterliegen, prüft, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dieses Instrument sollte in allen Aktionsfeldern eine steuernde Wirkung haben: d.h. den Antriebswechsel beschleunigen, weitere Effizienzgewinne erzielen, den Markteintritt regenerativer Kraftstoffe erleichtern, die Umstellung auf energieeffizientere Verkehrsmittel fördern und den Beitrag der Digitalisierung zum Klimaschutz unterstützen. Die Arbeitsgruppe „Kilmaschutz im Verkehr“ soll nun an ihren Zwischenbericht anknüpfen. Auf ausdrücklichen Wunsch und Beschluss des Lenkungsausschusses ist es weiterhin integraler Bestandteil der Plattform.

Wie Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr tatsächlich umgesetzt werden können, zeigen zwei Beiträge der Arbeitsgruppe 5 „Verknüpfung von Verkehrs- und Energienetzen, Sektorkopplung“, die heute auch dem Lenkungsausschuss vorgestellt wurden. Durch die Umstellung auf Antriebstechnologien, die erneuerbare Energien besonders effizient nutzen, wird der Treibhauseffekt von Pkw, Lkw und Bussen reduziert.

Welche technischen, organisatorischen und regulatorischen Handlungsbedarfe ein Anteil von 10% E-Fahrzeugen an den Neuzulassungen mit sich bringt und welche Maßnahmen jetzt erforderlich sind, damit die Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht mit der Anzahl der Elektrofahrzeuge wachsen kann, hat nun die AG 5 geprüft.

Aktuell, so die Experten, laufe der Ausbau der Ladeinfrastruktur (LIS) dem Zuwachs des Bestandes an Elektrofahrzeugen voraus. Damit jedoch auch bei steigenden Neuzulassungszahlen für Elektrofahrzeuge eine bedarfsgerechte LIS zur Verfügung steht, müssten bereits in diesem Jahr Maßnahmen getroffen werden, die den Ausbau beschleunigen. Unter anderem sollte der Aufbau der privaten Ladeinfrastruktur zuhause und am Arbeitsplatz durch zeitnahe Anpassungen im Wohn- und Eigentumsrecht erleichtert und finanziell gefördert werden, da hier 85% der Ladevorgänge stattfinden. Genehmigungsverfahren bei Kommunen gelte es zu beschleunigen und Anmeldeprozesse für Ladeinfrastruktur bei Netzbetreibern zu harmonisieren. Aufgrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit wären auch Alternativen zu den aktuellen Ladestationen erforderlich, deren Attraktivität nicht durch einen zu engen Regulierungsrahmen für Hardware und energiewirtschaftliche Produkte gemindert werden dürfe. Zum weiteren Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur werden außerdem Feinjustierungen der bisherigen Förderung, wie etwa der Einbezug halböffentlicher LIS in die bisherigen Förderprogramme, empfohlen.

Mit Blick auf den zusätzlichen Strombedarf wird berichtet, dass die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien auch mit dynamischeren Zuwachsraten keinen Engpass darstellen wird. Bezogen auf die Netzintegration der Elektromobilität wird deutlich, dass die Stromnetze grundsätzlich gut für Elektromobilität aufgestellt sind, in Ballungsgebieten bei konzentrierten Zuwächsen jedoch lokale Engpässe möglich sind. Um vorhandene Netze optimal nutzen zu können, sollten deshalb die aktuelle Netzauslastung perspektivisch überwacht und Möglichkeiten zum intelligenten Lastmanagement genutzt werden. Zudem ist die Ausrüstung der privaten Ladeinfrastruktur mit Steuerungs- und Kommunikationseinrichtungen perspektivisch zwingend erforderlich. Es wird dringend empfohlen, die Steuerungsfähigkeit schnellstmöglich durch verbindliche Vorgaben zu sichern.

Auch die übrigen Arbeitsgruppen „Alternative Antriebe und Kraftstoffe für nachhaltige Mobilität“, „Digitalisierung für den Verkehrssektor“, „Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung“ sowie „Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Zulassung“ stellten ihre Arbeitsstände dem Lenkungskreis vor. Eine intensive Kooperation aller AG ermöglicht es, die Transformation des Mobilitätssektors umfassend zu adressieren um die Mobilität ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig zu gestalten.

Über NPM – Nationale Plattform Zukunft der Mobilität
Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGO’s zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klimagerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträgerübergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Ansprechpartnerin:

Elisa Reker
Referentin Kommunikation
Büro des Vorsitzenden der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität

reker@acatech.de

+49 (0)89/ 52 03 09-805
+49 (0)175/ 44 36 80 8

AG 1
Klimaschutz im Verkehr

AG 2
Alternative Antriebe und Kraftstoffe für nachhaltige Mobilität

AG 3
Digitalisierung für den Mobilitätssektor

AG 4
Sicherung des Mobilitäts- und Produktionsstandortes, Batteriezellproduktion, Rohstoffe und Recycling, Bildung und Qualifizierung

AG 5
Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung

AG 6
Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Zulassung